Magierreise

Aus Rollenspiel

„... Pförtner, Torwächter, Reisende, ... viele Namen haben diese mysteriösen Männer und Frauen, welche durch die Welt wandern, wie andere durch ihre Wohnung gehen. Sie sind in der Lage , wie aus dem nichts, Türen zu erschaffen, welche sie zu anderen Orten, die meilenweit entfernt sein können, führen. Aber nicht nur durch den Raum reisen sie so, nein, sie öffnen auch Pforten in andere Zeit oder gar in die Gedanken und Gefühle lebendiger Wesen ...“
Aus „Legenden der Magie“

„Ein jeder kennt die Geschichten von Frauen und Männern, die anscheinend an weit entfernten Orten innerhalb weniger Sekunden gleichzeitig auftauchen. Wie soll das aber möglich sein, dass eine Frau morgens in Egelbach, mittags in Saigerach und abends in Krausnitz ist? Der gesunde Menschenverstand sagt uns: Das ist unmöglich.
Der Magietheoretiker aber kann das Phänomen erklären. Manche Zauberer lenken ihre Zauberkraft so, dass sie einen magischen Pfad zum Zielort erschafft. Dann projizieren sie ihre eigene magische Struktur auf diesen Pfad und gelangen innerhalb kürzester Zeit zum Zielort. Manchmal projizieren sie nicht nur ihre eigene Struktur auf den Pfad, sondern erschaffen eine Pforte, welche die magische Struktur eines jeden der sie durchschreitet, auf den Pfad projiziert und somit zum Zielort schafft.“
Aus einer Vorlesung von Lahor Zerze

Die Pfade der Magiereise

„Zuerst muss sich der junge Magiereisende auf den Zielort besinnen. Er schickt so seine Magie auf die Reise zu dem anderen Ort, dabei hinterlässt sie eine Spur, eine Spur, der er später folgen wird, wie einem Wollfaden durch das Labyrinth.
Während er sich also auf das Ziel konzentriert, darf er sich keinerlei Ablenkung aussetzen, ansonsten wird die Spur zu schwach oder führt zu einem anderen Ort. Daher setzt er sich am besten hin, zumindest aber sollte er ruhig stehen bleiben.
Der nächste Schritt ist es das eigene Selbst auf die Spur zu projizieren und dieser zu folgen. Dazu konzentriert sich der Reisende auf sich selbst und gleichzeitig auf den Zielort. Dann fließen Leib und Seele in die Spur, folgen dem Pfad und tauchen am Zielort wieder auf.“
Erklärung des ersten Pfades des Magiereisenden

„Der zweite Pfad ermöglicht die Mitnahme von anderen auf die Reise. Der Magiereisende beginnt wie beim ersten Pfad mit der Konzentration auf den Zielort. Dann aber lässt er seine magischen Kräfte derart fließen, dass eine magische Pforte zur Spur geöffnet wird. Diese Pforte projiziert ein jeden, der sie durchschreitet, auf die Spur und führt sie somit zum Zielort. Jede Projizierung schwächt die Pforte, daher muss der Magiereisende sie immer wieder mit seiner Magie stärken, darf aber niemals die Konzentration zum Zielort verlieren.
Sobald der Reisende selbst durch die Pforte tritt, schließ sie sich hinter ihm und er wird selbst zum Zielort gebracht.“
Erklärung des zweiten Pfades

„Der geübte Magiereisende kann den dritten Pfad beschreiten. Aber er sei gewarnt: Der dritte Pfad erfordert ein hohes Maß an Selbstsicherheit und Konzentration. Wer dieses nicht besitzt oder sich all zu leicht ablenken lässt, sollte die Finger von diesem Pfad und allen weiteren lassen.
Der Magiereisende sollte sich setzen. Er konzentriert sich sodann auf einen Zeitpunkt in der Vergangenheit und schickt seine Zauberkraft dorthin. Abermals entsteht so eine Spur, welcher er in die Vergangenheit folgen kann.
Will er allein reisen, projiziert er nun sein eigenes Selbst in die Spur; will er in Gesellschaft in die Vergangenheit, erschafft er ein Portal, welches er mittels seiner magischen Kräfte erschafft und stärkt.“
Erklärung des dritten Pfades.

„Vom dritten bis zum vierten Pfad ist es nur ein kurzer Schritt, wenn auch ein nicht ganz einfacher. Denn neben der Konzentration auf den richtigen Zeitpunkt in der Vergangenheit, muss er sich noch auf den richtigen Ort konzentrieren. So legt er eine Spur durch Raum und Zeit, welche er nutzen kann, um allein zu reisen oder andere mittels Portals mitnehmen kann.“
Erklärung des vierten Pfades

„Nur ein großer Meister der Reise kann den fünften Pfad beschreiten. Der Reisende muss sich von den ersten Pfaden lösen und sich vielmehr auf ein Ziel konzentrieren, welches nun ein Lebewesen ist, ob ein denkender Mensch oder ein dummes Tier ist egal. Die einzige Bedingung, die das Ziel erfüllen muss, ist, dass es Magie enthalten muss. Zu dieser magischen Struktur knüpft der Reisende ein Band und legt somit die Spur.
Bevor er nun sein eigenes Selbst auf die Reise in die Gedanken schickt, muss er noch eine Spur an einen Ort legen. Dies ist der Ort der Rückkehr. Der Reisende sollte darauf bedacht sein, diese Spur nicht abreißen zu lassen; geschieht dies trotzdem –entgegen aller Warnungen– ist er in den Gedanken des Ziels auf immer gefangen. Hat er die Spur zum Rückkehrort jedoch erfolgreich gelegt und gehalten, kann er sich jederzeit auf sie projizieren, um die Gedanken zu verlassen.
Ob sich nun die Zielperson vor Ort oder an einem weit entfernten Ort aufhält oder in der Gegenwart oder Vergangenheit lebt, spielt keine große Rolle für den Meister der Reise, da er ja bereits die ersten vier Pfade gemeistert hat. Selbst die Mitnahme von anderen Reisenden durch ein Portal ist möglich. Das einzige, was dafür erforderlich ist, ist eine gute Konzentrationsfähigkeit und ein hohes Maß an Zauberkraft. “
Erklärung des fünften Pfades.

„Vom sechsten Pfad erzählt man sich, dass ihn nur wenige der erfahrensten Großmeister der Reise beherrschen. Dieser erlaubt es nicht nur wie mittels des dritten Pfades in die Vergangenheit zu reisen und aus dieser in die Gegenwart zurückzukehren, sondern auch in die Zukunft zu wandern. Dies erfordert aber eine sehr große Erfahrung und hohe Zauberkraft, sodass sie selbst für die meisten Großmeister schwierig und gefahrvoll ist.“
Erläuterung zum sechsten Pfad

Alternativen

„Leichter als der zweite, aber schwerer als der erste Pfad ist die Nutzung existierender Türen, Toren oder Pforten. Der Magiereisende konzentriert sich auf die Tür vor ihm und auf die Tür am Zielort. Es legt eine magische Spur von der einen Tür zur anderen. Anschließend legt er die Magie auf die Tür vor ihm, sodass der nächste der durch die Tür schreitet nicht einfach auf der anderen Seite ankommt, sondern dessen eigenes Selbst durch die magische Spur zum Zielort geschafft wird. Dort angekommen schreitet er durch die Tür und findet sich an einem vollkommend anderen Ort wieder. Der Reisende selbst merkt gar nicht, dass sein eigenes Selbst auf eine weite Reise geschickt wurde.“

Martin Han über die „Geheimnisse der Reise“

„Der Magiereisende kann, wenn er einigermaßen geübt ist, auch Fenster zu anderen Orten und Zeiten erschaffen. Dies erfordert ein hohes Maß an Konzentration. Der Reisende zeichnet mit seinen Armen ein Fenster in die Luft direkt vor sich, dass erleichtert die Konzentration auf den Zielort. Er legt eine magische Spur zum Ziel. Dann –jetzt weicht der Vorgang von der Reise ab– erweitert er die Spur zu einem Tunnel, der das Bild des Zielortes auf das Fenster projiziert, sodass man durch das Fenster zu dem anderen Ort zu blicken kann. Dieser Vorgang kann auch –dann wird es erheblich einfacher– mit schon existierenden Fenstern durchgeführt werden, sodass man in fremde Räume hineinschauen kann oder aus diesen heraus.
Aber nur wenige Reisende vermitteln dieses Wissen weiter, sodass nur sehr wenige die Kunst des Fensters beherrschen.“
Martin Han über die „Geheimnisse der Reise“

Weitere Anmerkungen

„Bist du erst einmal in die Gedanken andere eingedrungen, kannst du dort sein innerstes erforschen. So erfährst du seine geheimsten Gedanken und Gefühle, selbst diejenigen, derer er selbst sich selbst nicht im Klaren ist. Du kannst durch seine Augen sehen, was er sieht. Du schmeckst, was er schmeckt. So kannst du dich all seiner Sinne bedienen. Aber die Gedankenreise ist auch mitgroßen gefahren Verbunden, denn reißt der Pfad zum Rückkehrort ab, kannst du niemals wieder in die Welt zurückkehren. Und vergesse nicht, dass du niemals versuchst, die Gedanken oder Gefühle des Ziels zu beeinflussen oder gar zu verändern, denn so beschwörst du große Gefahren und Konfusionen.
Achso, natürlich ist im Falle eines Todes der Zielperson eine schnelle Rückkehr dringendst geraten.“
Zu den Möglichkeiten und Gefahren einer Gedankenreise

„Bei der Zeitreise –sei es an denselben Ort oder einen anderen– beachte stets, immer eine Spur in die Gegenwart zurückzulassen. Denn sonst wirst du bereits gelernt haben, dass du eine Spur nur in die Vergangenheit legen kannst. Nur wenn du also mittels einer Spur an der Gegenwart festhältst, kannst du auch dorthin gelangen.
Nur der wahre Großmeister beschreitet Pfade kreuz und quer durch die Zeit, ohne einer bereits gelegten Spur zu folgen.“
Zu den Gefahren des dritten und vierten Pfades

„Schon so mancher Magiereisende ist bei einer Reise umgekommen. Nicht etwa, weil er die Spur nicht ordentlich gelegt hat oder es nicht geschafft hat, sein eigenes Selbst zu projizieren. Sondern weil am Ort, wo er auftauchte unwägbare Gefahren lauerten, von denen der Reisende nicht wusste.
So erzählt man sich von Klaum ben Shif, der es geschafft hat mitten in einer wütenden Schlacht zwischen zwei Heeren aufzutauchen, wo er sogleich von mehreren Speeren tödlich durchbohrt wurde. Oder von Wilhelm Reko, der auf eine Brücke reisen wollte. Er versicherte seinen Mitreisenden, dass er erst vor einem halben Jahr auf der Brücke gestanden hätte. Bei seiner Ankunft aber war die Brücke bereits seit einigen Wochen von einem Orkan hinweggeblasen, so landete die gesamte Reisegruppe mitten in dem Fluss. Die Kunst des Fensters ist sehr hilfreich, wenn man an Orte reisen will, an denen man bisher noch nie gewesen war oder an denen Gefahren lauern könnten. So kann man vor der Reise erblicken, was am Zielort für Verhältnisse herrschen. Aber leider teilen nur wenige Reisende ihr Wissen um die Fenster mit anderen Reisenden.“
Martin Han über die „Geheimnisse der Reise“